• Marco Papajewski

Ziegeleipark Mildenberg

Bekanntlich haben s.g. Lost Places ja immer ihre ganz eigene Faszination. Man entdeckt Räume, Säle oder schlendert durch die Natur um Plätze zu entdecken, die in der jüngsten Vergangenheit so manches Geheimnis in sich bargen. Zu den sicherlich bekanntesten Lost Places in Bradenburg zählen noch immer die Beelitzer Heilstätten oder die Verbotene Stadt bei Wünsdorf.


Wesentlich weniger bekannt, deswegen aber nicht weniger schön, ist so manches Industriegelände, welches heutzutage bereits einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Einer dieser unbekannteren Orte ist der Ziegeleipark Mildenberg, nördlich von Berlin.

Ende des 19. Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, entdeckte man in Mildenberg reichhaltige Tonvorkommen. Die Tatsache, dass das nahegelegene Berlin baulich nahezu explodierte, spielte dem noch nicht erschlossenem Gelände ebenso in die Hände, wie die Tatsache, dass das Tonvorkommen in der Nähe von Werder (Havel) fast erschöpft war. So entstand zu Beginn des 20. Jahrhundert in kürzester Zeit eines der größten zusammenhängenden Ziegeleigebiete Europas.


Zu Höchstzeiten, rund um das Jahr 1910, wurden sage und schreibe 625 Millionen Ziegel im Jahr gebrannt. Hauptabnehmer für die Ziegel waren zu diesem Zeitpunkt Berlin und die STädte Schöneberg und Charlottenburg. Bekanntlich wurden erst im Jahr 1920 die Städte nach Groß-Berlin" eingemeindet. Einen Einbruch erlebte die Produktion während der Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 20er Jahre, sowie natürlich während des 2. Weltkrieges. Erst nach Kriegsende kurbelten die sowjetischen Besatzer diese wieder an und sorgten erneut dafür, dass das Gebiet um Mildenberg einen wirtschaftlichen Aufschwung genoss. Gebäude waren zerstört, Infrastruktur kaum vorhanden, also versuchte man Industrieen wiederzubeleben, die über Jahrzehnte funktionierten.


Erst mit Erfindung der Plattenbautechnologie war das Zeitliche der Ziegelei besiegelt. Es konnten nun größere Plattendazu genutzt werden, wesentlich schneller Wohn- und Gewerbefläche zu errichten und Materialien wie Beton in Form zu gießen. Nach 1991 wurde die Produktion endgültig eingestellt, da es an Investoren mangelte, die die Fläche wirtschaftlich nutzen wollten.

Heute wird das Gelände als Museum, Park und Eventlocation betrieben. Kinder und Familien können eindrucksvoll erleben und entdecken, unter welchen schweren Bedingungen damals gearbeitet und geschuftet wurde. Die noch funktionierenden Feldbahnen laden dazu ein, über das Gelände zu tuckern und sich die Zeit zu nehmen, das 40 Hektar große Gelände zu erkunden. Zum Gelände gehört neben einer Spielwiese und einem kleinen Tierark auch ein kleiner Hafen, der das Gelände per Schiff erreichbar macht.

Neben der Nutzung für eigene Events, ist das Gelände auch Austragungsort für größere Feste und Abendveranstaltungen. So waren im Mai 2019 zum Camp des Chaos Computer Clubs über 5.000 Gäste vor Ort.

Ob als Ausflugziel für Familien oder als Lost Place für ambitionierte Fotografen, der Ziegeleipark in Mildenberg zählt definitiv zu den Orten, für die man sich ausgiebig Zeit nehmen sollte.

Quelle: https://www.ziegeleipark.de/ https://de.wikipedia.org/wiki/Ziegeleipark_Mildenberg

  • Facebook
  • Twitter
  • YouTube
  • Instagram

© 2020 by Marco Papajewski.