• Marco Papajewski

Wünsdorf, Die verbotene Stadt

Aktualisiert: 8. Mai 2019

Nun fotografiere ich schon einige Jahre, war aber noch nie auf einer koordinierten Fototour. Zeit wurde es also, sich hierzu auch einen ganz besonderen Ort heraus zu suchen, denn geschichtlich hat Berlin mit Umland bekanntlich einiges zu bieten. Nach ein wenig Recherche stieß ich auf die Touren von go2know. Neben dem Klassiker der Beelitzer Heilstätten, die ich zum Glück auch bald besuchen werde, fand sich hier auch die Tour, die wie geschaffen schien für einen spontanen Sonntagsausflug - die verbotene Stadt Wünsdorf und ihre verlassenen Gebäude rund das Haus der Offiziere.


Den Namen der verbotenen Stadt bekam Wünsdorf so richtig erst nach der Wende, denn bis zum Abzug der sowjetischen Streitkräfte (1994) nach Beendigung des kalten Krieges blieb der Zugang einem Großteil der Bevölkerung verwehrt. Doch waren die russischen Streitkräfte bei weitem nicht die ersten militärischen Einheiten, die sich in Wünsdorf niederließen und das Gelände für Ihre Zwecke nutzen.


Auf dem knapp 600 Hektar großen Gebiet findet sich eine autarke Stadt, auf der in neben Offizieren auch bis zum 35.000 Soldaten untergebracht waren. Das Haus der Offiziere. das noch immer sehr heroisch wirkt, thront auf dem Gelände gleich eines Königspalastes aus früheren Zeiten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Teil der Kasernenanlage unter Otto von Bismarck errichtet. Da Berlin Reichshauptstadt war und das kleine Wünsdorf in Schlagweite zu den Mächtigen des Landes lag, war der Ort wie geschaffen für eine Militärkaserne. Auch die Nazis nutzten die Anlage später für ihre Zwecke. Berühmtheit erlangte die Stadt aber eben erst nach Beendigung des 2. Weltkrieges.


Besonders aufregend für Fotografen sind dabei die unwirklichen Plätze auf dem Gelände. Neben einem Kino und vielen verlassenen Räumen, ist vor allem das gut erhaltene Schwimmbad einer der Hotspots auf der Fototour. Betreten lässt sich das Gelände jedoch nur nach entsprechender Anmeldung, denn auf dem ehemaligen Gelände könnten sich noch immer Munitionen und andere militärische Hinterlassenschaften finden. Jedem, der Interesse hat, sei geraten sich bei Zeiten eine Tour zu buchen, denn durch einen Eigentümerwechsel könnte auch das Gelände bald aus der Öffentlichkeit verschwinden.


Heute leben wieder über 6.000 Menschen in der Kleinstadt südlich von Berlin. Neben den Ruinen auf dem alten Militärgelände, auf denen sich fast überall Pflanzen und die Natur ihre Wege durch die Gänge gebahnt haben, lädt der Ortsteil Zossen auch so zu einem Besuch ein. Von der City Berlins aus benötigt man eine knappe Autostunde um sich in Wünsdorf wiederzufinden. So oder so ein überschaubarer Aufwand für eine einmalige Entdeckungsreise durch über 100 Jahre deutsche Geschichte.


  • Facebook
  • Twitter
  • YouTube
  • Instagram

© 2020 by Marco Papajewski.