• Marco Papajewski

Mit 60km/h durch die Republik, eine Reise zum Verlieben

Wenn es in den Urlaub geht, beginnen die Reisen ja nicht selten an einem Flughafen, einem Bahnhof oder dem heimischen Fahrzeug. So ist das normalerweise auch bei mir. Doch manchmal ist alles ein wenig anders. Nicht nur, dass der Zielort diesmal keine warme südländische Metropole war oder zumindest eine Stadt am anderen Ende des Kontinents, nein, diesmal ging ganz simpel durch die wunderschöne Heimat. Grundlegend, so möchte man meinen, bedeutet das ein stundenlanges Dasein auf den Autobahnen dieser Nation. Doch manchmal ist es gar nicht so verkehrt, der schnelllebigen Zeit etwas zu entfliehen und täglichen Dauerstress etwas herunter zu fahren. Handy beiseite, Radio aus und einfach mal die Umgebung genießen.


Für fünf Tage sollte kein Hotel meine Heimat sein, sondern ein kleiner gemütlicher T3-Bulli mit schmalen 300.000 km auf dem Tacho. Carmen, so ihr zarter Name, sollte mich auch nicht nach München, Köln oder Hamburg bringen, sondern zu Zielen, die in der wunderschönen Natur liegen. Auf der Reiseliste standen Ziele wie die Teufelsmauer Weddersleben oder die Externsteine in der Nähe von Paderborn. Wer davon noch nie etwas gehört hat, der tut es mir bis zum Beginn meiner Reise gleich. Doch so viel nehme ich an dieser Stelle vorweg; man sollte von gehört haben, denn Deutschland ist weit mehr als die Philarmonie in Hamburg oder das Brandenburger Tor in Berlin.Und so begann die Reise an einem doch sehr kühlen Märzmontag. Carmen, die ich bei BulliHoliday - Bullis & Co. günstig mieten einsackte, brachte mich am ersten Abends zur angesprochenen Teufelsmauer. Ein Sandsteingebilde am Fuße des Harzes in Sachsen-Anhalt, welches sich auf insgesamt 20 km durch die Landschaft zieht. Nicht verwunderlich, dass sich beim Anblick über die Jahre viele Mythen gebildet haben. Von einem Parkplatz am Fuße der Teufelsmauer im kleinen Örtchen Wedderleben ging es am Abend auch gleich zu einem ersten Shooting. Und als wenn der Wettergott es gut mit mir meinte, öffnete sich der Himmel kurz vor Mitternacht und ich bekam einen wundervollen Sternenhimmel mitten im Nirgendwo zu sehen. Ein toller Start in eine aufregende Reise.


Mit gutem Wetter und der Motivation auf viele tolle Bilder ging es am zweiten Tag der Reise nach Schierke. Von hier aus sollte mich die berühmte Brockenbahn auf den Brocken, Norddeutschlands höchsten Berg, bringen. Doch bekanntlich ist auf der Spitze nicht immer bestes Wetter und so hatte auch ich mit viel Regen und starkem Nebel zu kämpfen. Bilder mit einer tollen Aussicht blieben mir also leider verwährt. Aber da die Not erfinderisch macht, musste eben die Natur im Tal herhalten und so blieb etwas Zeit meine 50mm-Festbrennweite aufzuschrauben und etwas zu experimentieren. Eigentlich schade, dass ich nicht öfter in den Genuss der 1.8er Blende komme.1.8er B


Noch am selben Tag ging es aber weiter Richtung Westen. Und so durchquerte ich bereits am Dienstag nach Brandenburg, Sachsen-Anhalt auch noch Niedersachsen. Endstation an Tag 2 war ein Rastplatz am Fuße der Externsteine in Nordrhein-Westfalen. Leider spielte das Wetter nicht mit, so dass sich ein Nachtmarsch zu den 2 km entfernten Steinen nicht lohnte. Zumal es auch etwas sehr dunkel war. Nach einer kurzen Nacht war ich jedoch froh, dass ich mir eine der interessantesten Naturdenkmäler Deutschlands bis zum Mittwoch aufgehoben hatte. Bei wieder besserem und wärmeren Wetter ging es in den Teutoburger Wald, wo erneut eine wunderschöne Sandsteinformation auf mich wartete. Da ich zudem in den Morgenstunden unterwegs war, hatte ich das Glück mir die Sehenswürdigkeit nicht mit Massen an Menschen teilen zu müssen, was sich für Fotos zum Glück immer sehr gut anbietet. Einzig ein paar Rehe und Vögel kreuzten meinen Weg.


Noch am Nachmittag ging die Reise aber weiter durch die Republik. An dieser Stelle sei auch noch mal Carmen gelobt, die jede noch so kleine Steigung mit ihren 50-60 km/h problemlos meisterte. Weiter ging es Richtung Hessen, wo das Renaissanceschlösschen der Wewelsburg durch Zufall auf die Agenda rutschte. Das bereits im 10. Jahrhundert erbaute Schloss gehört zu den letzten Dreiecksburgen und erlangte leider erst im 20. Jahrhundert traurige Berühmtheit, als sich “Reichsführer-SS” Heinrich Himmel mit seinen Schergen einnistete. Gedacht als Schulungsgebäude für den Nachwuchs wurde im Laufe des zweiten Weltkrieges sogar ein Konzentrationslager auf dem Gelände errichtet. Welch Glück, dass diese Zeiten vorbei sind und man sich heutzutage wieder der gesamten Schönheit des Schlosses widmen kann.


Leider so muss ich sagen, vergingen die ersten Tage viel zu schnell und so ging es ab nun an auch geografisch wieder Richtung Heimat. Für Donnerstag hieß es Thüringen entdecken, denn neben Weimar erleben ging es auch in die Saalfelder Feengrotten. Das ehemalige Bergwerk, in dem unter anderem Schiefer abgebaut wurde, steht heute im Guiness-Buch der Rekorde als farbenreichste Schaugrotte der Welt. Gemeinsam mit einer Schulklasse, die passenderweise als kleine Zwerge verkleidet waren, ging es in eine wunderschöne Tropfsteinhöhle, in der sich der Sage nach Feen herumtrieben.


Nach der wirklich sehr lehrreichen Reise durch die Berge Thüringens führte der Weg weiter nach Weimar. Eine Stadt, die vor allem für ihre Dichter und Denker bekannt ist. In der viertgrößten Stadt Thüringens ging es vorbei an alten Fachwerkhäusern, den Wohnhäusern von Goethe und Schiller und einigen bedeutsamen Kirchen. In der so genannten Herderkirche (Stadtkirche St. Peter und Paul) steht und hängt der berühmte Cranach-Alter aus dem 16. Jahrhundert. Die Cranachs gehören zu den berühmtesten und bekanntesten Malern der deutschen Künstlergeschichte. Den Namen Herderkirche erhielt sie durch den Theologen und Denker Johann Gottfried Herder, der hier als Superintendant wirkte.


Bevor mich der Freitag wieder Richtung Heimat bringen sollte, standen noch einmal eine mittelalterliche Burg auf dem Plan und so nächtigte ich an der Rudelsburg, in der Nähe der Stadt Naumburg, die vor allem für ihren Dom bekannt ist. Noch einmal hatte ich etwas Glück mit dem Wetter, um zu einer nächtlichen Fototour starten zu können. Auch, wenn noch einmal viele tolle Momente den Weg in meine Kamera fanden, so war es doch etwas unheimlich zu Fuße einer Burgruine zu nächtigen. Aber, wie man lesen kann, ich habe es überlebt.


Und als wenn auch das Wetter wollte, dass ich so langsam aber sicher nach fünf ereignisreichen Tagen die Heimreise antrete, begann es am letzten Tag der Reise auch noch zu schneien. Bevor mich der Weg aber in den Naumburger Dom führte, reiste ich an Schloss Neuenburg vorbei, dem ich aber nur einen kurzen Besuch abstattete, da weder Wetter noch Temperaturen mitspielten und das Highlight am letzten Tag ja oben angesprochener Dom sein sollte. Pünktlich zur Öffnung, ging es in die im 13. Jahrhundert erbaute Kathedrale des ehemaligen Bistums Naumburg. Der Dom zählt zu den bedeutesten Gebäuden der Spätromanik und liegt an der Straße der Romanik, zu der auch schon die Burgen und Schlösser der letzten Tage zählten.


Etwas durchnässt, leicht erkältet, aber noch immer mit dem Wunsch viel erleben zu wollen, ging es zur wirklichen letzten Station auf meiner Reise. Vor mir lag noch die Burg Querfurt, die bereits im 9. Jahrhundert entstand und zu den größten Burganlagen der Nation gehört. Die berühmte Wartburg würde sogar über sieben Mal in die gewaltigen Anlagen passen. Am Ende fehlte die letzte Motivation bei beginnendem Schneetreiben auch noch in die Kellergewölbe herab zu steigen und so blieb es bei einigen eindrucksvollen Bildern der Burganlage.


Fünf Tage und über 1.200 km brachte mich Carmen durch die Republik. Wir erlebten viel, froren in den Nächten und freuten uns tagsüber über viele einzigartige Sehenswürdigkeiten. Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass es nicht immer der Flieger ans Mittelmeer sein muss, der für maximale Entspannung und viele Eindrücke sorgt. Manchmal reicht auch ein Bulli und eine Reisegeschwindigkeit von 60 km/h. Ich bedanke mich noch einmal bei BulliHoliday - Bullis & Co. günstig mieten und freue mich jetzt noch mehr auf meine nächste Abenteuerreise durch Deutschland. Allen Fotobegeisterten lege ich auch meine kleine Videocollage ans Herz, bei der ich noch viel mehr Eindrücke von meiner Reise zeige.



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