• Marco Papajewski

Die schlafende Schöne im Norden Berlins - Die Grabower Heilstätten

Denkt man an verlassene Orte und alte Gebäude aus vergangenen Tagen kommt man an den Heilstätten in Beelitz nicht herum. Die ehemalige Lungenheilanstalt zur Bekämpfung von Tuberkolose ist der Klassiker im Bereich der Lost Places-Fotografie. Wesentlich unbekannter als die Heilstätten in Beelitz und damit quasi noch immer ein gut behütetes Geheimnis ist die ehemalige Lungenheilanstalt am Grabower See. Verlässt man Berlin Richtung Norden, ereicht man nach etwa 45 minütiger Autofahrt und unzähligen Buckel- und Schotterpisten den Eingang zu einem 34 hektar großen Areal direkt am Grabower See.


Die 1896 durch das Rote Kreuz gegründete Lungenheilanstalt war die erste seiner Art in Norddeutschland und ist damit sogar noch zwei Jahre älter, als das berühmte Gelände in Beelitz, südlich von Berlin. Im Gegensatz zu den Beelitzer Heilstätten galten die Heilstätten am Grabower See noch als Versuchsgelände, da man entsprechend des damaligen Kenntnisstandes davon ausging, dass Lungentuberkolose lediglich in alpinen Gebieten oder in besonders warmen mediterranen Gefilden zu heilen sei. Tuberkolose galt im 19. Jahrhundert als eine der größten Volkskrankheiten. Etwa ein Drittel aller Lungenkrankheiten der damaligen Zeit war auf die bakterielle Infektionskrankheit zurück zuführen. Zu Höchstzeiten verstarben in den 1880er Jahren jährlich zwischen 110.000 und 120.000 Menschen an Tuberkolose. Zur intensiven Behandlung standen in den Grabower Heilstätten um die Jahrhundertwende im Jahr 1900 bis zu 200 Betten zur Verfügung, die dazu dienen sollten Krankheitssymptome auch im Flachland behandeln zu können.

Während des ersten Weltkrieges behielt der Krankenhauskomplex seine Funktion als Lungenheilanstalt und beherbergte neben Soldaten auch Kriegsgefangene. Vermieden werden sollte um jeden Preis eine Ansteckung, die einer enormen Schwächung des damaliges Heeres gleichgekommen wäre. Als nach Kriegsende die Inflation ausbrach, wurde das Gelände an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg veräußert, die das Gelände erweiterte und die Anzahl der Betten bis in die 1930er Jahre auf 420 Stück verdoppelte. Mit der gleichzeitigen Entdeckung und Erforschung von Antibiotika konnten Lungenkrankheiten mittlerweile aber wesentlich schneller und effektiver behandelt werden, so dass die besondere Funktion der Lungenheilanstalt zunehmend verloren ging. Mit Beendigung des zweiten Weltkrieges zog zudem die Rote Armee auf das Gelände und nutzte die Gebäude als Militärlazarett. Da die ehemalige Sowjetunion jedoch wenig Interesse an einem Weitererhalt des Geländes zeigte, verfielen viele Gebäude über die Jahrzehnte zunehmend. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Abzug der Sowjetarmee im Jahr 1995 wurde das Gelände endgültig dem Verfall Preis gegeben. Lediglich vereinzelt dienen die alten Gemäuer seit dem noch als Filmkulisse. So wurden auf dem Gelände im Jahr 2013 Teile des Hollywoodfilms Monuments Men gedreht. Deutschlandweiten Ruhm erlangte außerdem der Film Heilstätten im Jahr 2017, der zwar in den Beelitzer Heilstätten spielt, aber am Grabower See gedreht wurde.

Seit 2005 wird das Gelände vom Kids Globe e.V. betreut, die Kindern und Jugendlichen zeitgemäße Bildungsansätze auf theoretische und praktische Art und Weise vermitteln wollen und auf dem Gelände eine entspreche Akademie eingerichtet haben. Zudem kann das Gelände über eine entsprechen Anmeldung legal für Fotoshootings oder Besichtigungen betreten werden.


siehe auch: https://www.marcopapajewski.de/post/beelitz-heilst%C3%A4tten-ein-sanatorium-im-wald

Quelle: https://www.maz-online.de/Lokales/Oberhavel/Oranienburg/Heilstaette-am-Grabowsee-Ausflug-in-die-Geschichte-mit-Gruselfaktor https://de.wikipedia.org/wiki/Heilst%C3%A4tte_Grabowsee https://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-14097/geschichte-tuberkulose-19-jahrhundert_aid_394270.html https://de.wikipedia.org/wiki/Beelitz-Heilst%C3%A4tten

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