• Marco Papajewski

Das Wattenmeer und wie wir es zerstören

Rund um meinen Nordseeurlaub in diesem Jahr, in dem es mich an die Büsumer Nordseeküste und nach Helgoland verschlug, brachte mich vor allem der doch sehr starke Tourismus rund um die Häfen im und am Wattenmeer sehr zum Nachdenken. Zum Nachdenken darüber, wie der Mensch in ein funktionierendes Ökosystem eingreift, um sich in seiner Freizeit zu bespaßen und zu vergnügen.

Nach aktuellen Zahlen zählt die Region rund um das Wattenmeer in Schleswig-Holstein über 19 Millionen Übernachtungen pro Jahr und damit über 5 Millionen mehr als die Bundeshauptstadt Berlin. Entsprechend groß ist der Beitrag und die wirtschaftliche Bedeutung für die Region im Norden Deutschlands.

Ein für mich sehr einschneidendes Ereignis war eine Fahrt zu den Seehundsbänken vor der Hafenstadt Büsum. Wie viele tausend andere Besucher kaufte ich mir ein Ticket für ein großes Schiff, welches mich mit hunderten von anderen Besuchern raus auf die See brachte. Insgesamt 2.5 Stunden sollte diese Fahrt dauern, wobei die Hin- und Rückfahrt alleine schon zwei Stunden in Anspruch nahmen. Alles nur, um am Ende für einige Minuten auf knapp 100m Entfernung an dutzenden von Seehunden vorbeizufahren. Zweifelsfrei war das ein wunderschönes Ereignis. Doch rechtfertigt ein so großer Aufwand das sinnlose Verbrennen von Diesel und Schweröl, wo wir doch tagtäglich aus der Presse lesen, wie schlecht wir unsere Umwelt behandeln? Sicherlich hinkt der Vergleich zu einem normalen Ausflugsdampfer etwas, doch das Volltanken eines großen Containerschiffes mit Schweröl kostet alleine knapp 5.3 Milionen Euro. Der Verbrauch liegt dabei bei astronomischen 150 Tonnen pro Tag.

Jetzt verbraucht ein Ausflugsdampfer zweifelsfrei weniger Kraftstoff, doch ändert das nichts an der Tatsache, dass wir alleine zu unserer Belustigung Natur- und Umwelt unnötig belasten und gefährden.

Auch, wenn das Wattenmeer seit Ende der 80er Jahre schrittweise zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und es für Industrie und Wirtschaft zunehmen erschwert wird aus dem Wattenmeer Kapital zu schlagen, sollte man sich stets bewusst sein, welchen Schaden man selbst durch seine Gier nach Tourismus und Sehenswürdigkeiten anrichtet.

Natürlich ist es leicht mit dem Finger auf die Industrie zu zeigen und sich darauf zu berufen, dass die Auswirkungen des "kleines Mannes" nicht so verherend seien. Dennoch blieb mir eine Geschichte von meinem Ausflug in sehr trauriger Erinnerung.

Während der Kapitän die vielleicht 200 Teilnehmer während der Fahrt zu den Seehundsbänken auf das Vordeck und das Heck bat, stand neben mir ein junger Mann. Er war vielleicht 20 Jahre alt und rauchte eine Zigarette. Jetzt kann man keinem Menschen das Rauchen in der Öffentlichkeit verbieten, doch fand ich allein die Tatsache, dass er überhaupt zur Zigarette griff, während wir uns den Seehunden unmittelbar näherten, schon etwas grenzwertig. Während der junge Mann nun also sah, wie ich ihn beim Rauchen beobachtete, schnippste er ungeachtet der Beobachtung die Zigarette ins Meer. Als ich ihn lauthals auf seine Tat ansprach gab er sich zwar umgehend kleinlaut, doch machte es seine Umweltverschmutzung natürlich nicht rückgängig.

Jetzt hätte diese eine Zigarette bei ordentlicher Entsorgung mitnichten die Welt gerettet, doch hege ich die Befürchtung, dass dies kein Einzelfall war. Bewusst machen muss man sich in diesem Zusammenhang immer wieder, dass der Müll nicht verrottet und im schlimmsten Fall nicht nur im Meer oder auf dem Grund liegen bleibt, sondern in Tiermägen landet und diese so auf grauenvolle Art zugrunde richten.

Abschließend gönne ich natürlich jedem seinen Spaß und vor allem seinen Urlaub. Dennoch sollten wir uns alle in Erinnerung rufen, welche Folgen unser Handeln für unsere Umwelt hat. Mit jedem Eingriff in die Natur schaden wir selbiger oft mit irreparablen Folgen. Laut WWF leben über 10 Millionen Vögel und über 45.000 Seehunde und Kegelrobben im Wattenmeer und an der Nordsee. Allesamt können Sie sich nicht gegen unseren Eingriff wehren und sind somit von unserem Umgang mit der Natur abhängig. Wer sind wir also, dass wir es uns herausnehmen, in deren Lebensräume einzugreifen. Wie würden wir uns fühlen, wenn fremde Menschen mit einer Selbstverständlichkeit auf unser Grundstück treten oder sich gar Land von selbigem Abschneiden? Ein Anfang wäre also zumindest seinen Müll ordentlich zu entsorgen und sich eventuell zu hinterfragen, ob wirklich jeder Ausflug zu Lasten der Natur wirklich sein muss.

Quellen: https://www.nationalpark-wattenmeer.de/sh/nationalpark/nutzungen/tourismus https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/containerschiffe-einmal-volltanken-fuer-5-3-millionen-euro-12127095.html https://www.schutzstation-wattenmeer.de/naturschutz/schutz-des-wattenmeers/ https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/wattenmeer/

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