• Marco Papajewski

Das Kaufhaus Görlitz - Jugenstil mit Tradition

Aktualisiert: 23. Aug 2019

Es gibt sie tatsächlich noch. Die architektonischen Perlen der Geschichte mitten unter uns. Die Regel der City- und Touristentrips laufen ja grundsätzlich immer gleich ab. Man läuft die Straßen entlang, schlendert im besten Fall durch die Altstädte des Landes und bewundert die Bauwerke der letzten Jahrhunderte. In Berlin sind Bodemuseum oder Berliner Dom so ein Beispiel; in Dresden die Frauenkirche oder der Zwinger. Von außen kennt sie jeder...

Aber mal ehrlich, wer von uns geht schon in jedes der Gebäude rein? Ich selbst fand erst vor Kurzem heraus, dass man das Rote Rathaus auch von innen bewundern darf! Wahnsinn. Aber gut, man lernt nie aus.


Aber zum Thema: Mich verschlug es jüngst nach Görlitz, eine Stadt, die im Großen und Ganzen von allen Kriegen Europas verschont blieb und so eine Reihe von baulichen Schönheiten in der Altstadt präsentieren kann. Eine dieser Schönheiten ist das ehemalige Warenhaus in Mitten der Altstadt. Als Berliner fällt unweigerlich sofort die Ähnlichkeit zum Kaufhaus Des Westens oder zum Kaufhaus Wertheim auf, an das es auch optisch erinnern soll.

Im Jahre 1913 wurde das Kaufhaus an der Frauenkirche im Stile des Historismus erbaut. Besonders eindrucksvoll sind unweigerlich aber das Glasdach und die vielen Ornamente, die jedem Kunstliebhaber aus dem Jugenstil bekannt sein dürfte. Besonders eindrucksvoll neben der optischen Schönheit ist vor allem die kurze Bauzeit von gerade einmal neun Monaten, was für den Beginn des 20. Jahrhunderts eine beachtlich kurze Zeit darstellt. Auf Grund der traditionellen Verbundenheit der Görlitzer und der zentralen Lage konnte das Warenhaus auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands noch gewinnbringend betrieben werden. Schuld an der Schließung war am Ende die Insolvenz der Kaufhauskette Hertie. Seit nun mehr vielen Jahren arbeiten Bürgerinitiativen und vor Allem Besitzer Winfried Stöcker an einer Neueröffnung des historischen Gebäudes. Entsprechende Sanierungen wurden bereits vorgenommen und Anträge bei den Ämtern eingereicht. Dennoch ist aktuell leider nicht absehbar, wann es zu einer tatsächlichen Wiedereröffnung kommt.

Filmfans ist das Kaufhaus aus der prämierten Hollywoodproduktion Grand Budapest Hotel bekannt. Die deutsch-amerikanische Produktion spielt in einem fiktiven Staat unterhalb des s.g. Sudetenwaldes. Insgesamt gewann der Film ganze vier Oscars und sorgte somit über 100 Jahre nach der Eröffnung noch einmal für neuen Weltruhm im östlichen Sachsen. Die mehrmonatigen Dreharbeiten sorgten zudem für einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region, die sonst eher mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat.


Für den öffentlichen Besuch des Kaufhauses gibt es geregelte Termine, die am Haupteingang aushängen. Hier können Besucher im Atrium einen Blick die Etagen hochwerfen und den Ausblick für eine begrenzte Zeit genießen. Fotointeressierte Nostalgiker können sich zudem an die Eigentümer und Verwalter wenden und um eine Fotogenehmigung bitten.

Quellen: https://www.kaufhaus-goerlitz.eu https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6rlitzer_Warenhaus

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